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Freunde, werdet nie arbeitslos! …

Es sind Ferien. Kölner Schüler und Studenten und Langzeitarbeitslose findet man deshalb an Seen, in Schwimmbädern oder sich sonnend auf den grünen Rasenflächen unserer Stadt, inkl. Kölsch-Flaschen. – Nur ICH habe einen Termin!

Kein Wunder also, wenn sich in meinem Kopf, während der KVB-Fahrt dorthin, sich zum ersten Ohrwurm der Zweite gesellte: mein persönlicher, aktueller Ohrwurm aus der Serie Walking Dead „Easy Street“.

Ja, wie fing also mein Montag an? – Um 9 Uhr hatte ich diesen Termin im Industrieviertel am Rande Kölns. Die Agentur sandte mir eine „Einladung für ein INDIVIDUELLES Bewerbungscoaching“, wie ich dazu dort erfuhr: „mit Erfolgsgarantie! …“ – Dazu aber später.

Nun ich war mal wieder überpünktlich! Meine angeborene, bayrische Pünktlichkeit schlug auch heute wieder zu. Statt um 9 Uhr, war ich bereits um 8.45 Uhr Vorort.

Apropos Pünktlichkeit!… – Dieser Begriff hat im Arbeitszeugnis nicht unbedingt einen positiven Aussagewert. – „Er war immer pünktlich und zuverlässig!“ – Sicher findet sich bei jedem von uns, mich eingeschlossen, in irgendeinem Zeugnis diese oder eine ähnliche Beschreibung. Auch ich hatte leider auch einige Arbeitgeber-Missgriffe.

Vor etwa einer Woche erhielt ich denn diese besagte Einladung von der Arbeitsagentur für den Besuch einer Maßnahme.

Ich muss wohl noch erwähnen, dass ich mit solchen Maßnahmen von ALG bis Jobcenter (Hartz IV) nicht unbedingt die besten Erfahrungen gesammelt und daher somit auch leicht vorgeprägte Einstellungen dazu hatte.

Nun, wie es mein Naturell ist und (hoffentlich) bleibt, sah ich diese Sache erst einmal positiv. Dass ich dann doch wieder im Negativen bestätigt wurde, lag wohl eher, ich sage mal: am Schicksal und nicht an der Qualität dieser vorgestellten Maßnahme.

Wie gesagt, 15 Minuten war ich eh zu früh. Musste 3 Anmeldungsbögen ausfüllen, von ganz Allgemeinen bis zu doch recht persönlichen Daten. Also Name, Adresse, Impfungen, eingetroffene Uhrzeit, Unterschrift. Die sensiblen Daten zu Smartphone-Nummer und E-Mail füllte ich dann aber doch nicht aus.

Ich wurde in einen großen Raum geführt mit ca. 30 (oder mehr) Sitzplätzen mit PCs, Bildschirmen und je einem wunderbaren Arbeitsrollstuhl.

Gegen 9 Uhr kam der junge Dozent und meinte ganz lakonisch. Wir würden wohl noch etwa 20 Minuten warten, da noch nicht alle eingetroffen wären. – Hm, okay. dacht ich mir: DAS zum Thema Pünktlichkeit.

Kürzlich hatte ich Geburtstag und ein Freund schenkte mir das Buch eines Bestsellers aus Paris „Das Leben des Vernon Subutex“. Es handelt von einem ehem. Plattenhändler, der alles verliert und schließlich seine Miete nicht mehr bezahlen kann und auf der Rue landet. Er quartiert sich dann bei seinen Freunden und Bekannten ein, unter dem Vorwand er lebe inzwischen in Kanada, mache einen Besuch in Paris und brauche ein Obdach für 2-3 Tage / Nächte. …

Ein gutes Buch, welches u. a. den Tiefpunkt der Arbeitslosigkeit bzw. den eines Lebens ohne Job schildert. Nun, soweit unten bin ich zum Glück noch nicht! …

Eigentlich brauche ich auch keine Hilfe bei meinen Bewerbungen mehr. DAS kann ich noch selber. Außerdem bin ich noch gesund und habe einen Beruf (Erzieher), welcher eigentlich gesucht wird. Eine Stelle am „Anderen Ende der Welt“ oder bei einer Zeitarbeitsfirma will ich dann aber auch nicht haben.

Aber gerade DAS impliziert dann auch das Ziel dieser Maßnahme mit dem Titel „Go2Job“; nämlich: die Erfolgsgarantie! …

Des weiteren erfuhr ich dann, dass dieser Träger schon seit dem Jahre 1987 aktiv ist und via Arbeitsagentur seine Maßnahmen finanziert bekommt.

Immerhin sind dadurch in dem Haus von der 2. bis zur 4. Etage Büros belegt und Leute eingestellt! 

Somit: ein Lob für die Agentur Leute und Träger in Arbeit gebracht zu haben. Auch dahin fließt das Geld! – Ob es letztlich Erfolg bringend ist oder nicht. – Die latente Antwort gibt dazu vielleicht dann das weitere Geschehen dieses Vormittags:

9.15 Uhr. Es treffen 3 weitere Leute ein. Dozent natürlich noch immer nicht dabei.
9.23 Uhr. Wer fehlt? – Der Dozent! – In meinem Kopf wächst der Gedanke: „Du hättest doch besser ausschlafen sollen!“
9.25 Uhr. Noch ein Farbiger kommt dazu.
9.28 Uhr. Der Dozent tritt ein – Er stellt sich und die Maßnahme via Projektor vor.
9.36 Uhr. Ein weiterer Farbiger kommt hinzu. Wir sind inzwischen 6 von 30 Eingeladenen.

Gerade hat er, der Dozent, sogar XING empfohlen, wozu ich mich selbst vor Kurzem zum Premium Mitglied entschloss.

Via „Big Blue Button“ (s. Zoom oder Skype) läuft die Teilnahme, auf Wunsch, auch von Zuhause ab, sofern man nicht den langen Weg bis zum Träger Vorort machen möchte. Ob man dazu dann auch ein Tablet „geschenkt“ (Freud´scher Versprecher) bekommen würde, war die Frage der einzigen Dame unter uns. Ja, natürlich! ;-P

Denn 2 Anwesenheitstage pro Woche von 8.15 bis 16 Uhr können lang und nervig werden. – Man hat aber ja sonst nix zu tun, die wahrscheinliche Annahme der Arbeitsagentur. … Teilnahme in Teilzeit ist aber auch möglich. Da hatte ich leider nicht nachgebohrt. …

0.30 Euro pro Tag gibt es als Fahrtkostenerstattung! – Egal ob man mit dem Auto, Bus oder Bahn kommt. ok, beim derzeitigen 9-Euro-Ticket ist DAS sogar ein Gewinn von 2 Tage / Woche, max. 16 Wochen Dauer: satte 9,60 Euro ! – Da hat man ja schon EIN 9-Euro-Ticket und für einen 50-Cent-Automaten-Kaffee reicht es auch noch! …

Die 10 kleinen Negerlein fielen mir ein! – Nein, NICHT weil zufällig auch noch 2 Farbige bei uns waren! – Einfach, weil es, mit folgenden Begründungen immer weniger wurden. Oder nach Ernst Jandls Poem „Einer raus – Keiner rein!“
Wegen bevorstehender Reha, da waren es nur noch 5.

Wegen Weiterbildungskurs: noch 4.

Urlaub muss unbedingt vorher noch sein: noch 3.

Ein weiterer will sich selbständig machen, nicht lachen, als Autoverkäufer: noch 2.

Der letzte, der Farbige, welcher um 9.36 Uhr eingetroffen war, hat zwar eine Ausbildung als Megatroniker, ;-o wouw, …

… aber auch noch 7 Kinder (Schneewittchen lässt grüßen). Er will in Teilzeit arbeiten oder Nachtschicht: Treffer!

Ich springe dann auch ab und lass mir die Unterlagen für diesen Artikel noch ausdrucken. Danke! 🙂

Aber ich habe genug zu tun. Etwa meine Steuer für 2021 nun selbst anzufertigen, da meine Steuerberaterin einfach dann doch zu teuer wurde. Oder mir eine neue Brille anfertigen zu lassen, da mir die Alte beim Baden in einem Fluss ins Wasser fiel. Mein Französisch aufzufrischen und eine neue Übersetzung zu machen. Selber in Urlaub zu fahren? 😉 Oder meine Zukunft zu fokussieren, nach ALG1, ohne Jobcenter (Hartz4), evtl. gar mit einer Selbständigkeit, keinesfalls aber als „Autoverkäufer“! …

An der KVB-Haltestelle erfahre ich dann, in brütender Hitze, dass die nächste Bahn in 16 Minuten eintreffen wird. – Ein rundum gelungener, … – oder doch verdorbener (?) Vormittag.

Trotzdem gehe ich MEINEN Weg, ob ich dabei noch etwas arbeitslos /-frei bleibe oder ob ich doch noch, als Erzieher, den so ersehnten Platz in einem schönen Kindergarten, einer Grundschule oder einer U3 mit netten Kindern, menschlichen und tollen Team und Eltern bekomme?… – Das weiß der blaue Himmel oder niemand! … Ja, klar, ich bin nicht mehr so jung, aber weiterhin doch noch gesund und meistens glücklich!

Das Lied „Schöne Welt“ aus dem Musical Oliver Twist würde vielleicht hier zum Abschluss auch noch passen!? … 🙂

1 Kommentar

  1. Alex

    Sehr schön geschrieben. Ich kann mir bildlich vorstellen, wie der Tag abgelaufen sein muss. Schade, dass das Jobcenter das immer noch nicht besser hinbekommt.

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