Zaubergeschichten von Palabros de Cologne

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Glück des Augenblicks


Da unsere Leiterin diese Woche ihren Urlaub genommen hatte, zeigte ich mich bereit, in dieser Zeit den (in der dunklen, von mir gehassten, Jahreszeit) „Spätdienst“ zu übernehmen. – So kam es dann, dass ich statt morgens um 10 Uhr, erst mittags um 12 Uhr, in der Kita eintraf. Viele der Kinder kamen sogleich auf mich zu gelaufen und begrüßten mich freudestrahlend. Nur die Kolleginnen waren etwas still (erschöpft?), distanziert und leicht introvertiert.

Wie ich kurz darauf erfuhr, hatten sich zwei Kolleginnen „krank“ gemeldet. Wovon „unsere“ Kollegin nur eine kurze Mitteilung-SMS geschickt hatte! – Gelobt sei die Moderne Smartphone-Technik!… – So dachte ich mir insgeheim.

Natürlich kam es daher zu einem akuten Betreuer-Mangel. Andere Kolleginnen mussten die „Lücken“ füllen, und die Kinder hatten den Vormittag *wahrscheinlich* mit meiner leicht genervten, und sicherlich etwas unausgeglichenen Kollegin verbracht. Vielleicht kam die Freude MICH dann zu sehen, NUR daher. – Aber, wie auch immer, ein 5 jähriges Mädchen teilte mir mit, sie habe ein „Geschenk“ für mich. – „Wie? – Ich habe doch gar nicht Geburtstag!“ war meine verwirrte Erwiderung.

Im Gruppenraum erhielt ich dann ein kleines, pinkes Bügel-Perlen-Herz. Überreicht mit dem Zusatz: „Weil ich Dich mag!…“ – Natürlich umarmte und drückte ich sie daraufhin, und erwiderte: „Weißt Du, ich mag Dich auch!… – Und: Danke! Das Herz ist ganz toll geworden!…“ – Dieser Montag ging dann, obwohl die Kinder, etwas wilder, nach dem Wochenende, wie so oft, noch etwas aufgekratzter und lauter waren, schließlich auch irgendwie zu Ende.

Was blieb, war dieses „Glück eines flüchtigen Augenblicks“ (einer von Vielen im Kindergarten!), und ein „Geschenk“, welches für mich immer, mit keinem Geld der Welt zu bezahlen sein wird!…

Klar, ich weiß, meine alltägliche Arbeit in diesem Kindergarten wird auch hier nicht für ewig sein. – Und selbst wenn in diesen pädagogischen Einrichtungen, eine zuverlässige, konstante Anwesenheit für die Kinder künftig immer wichtiger wird, ist jeder Mensch letztlich austauschbar und schnell ersetzbar!

In der heutigen Zeit von Klimawandel, dem neu aufkommenden Spiel der atomaren Mächte und ihres Wettrüstens, etc. möchte man am liebsten einfach alle „Arbeit“ hinschmeißen, weg- oder loslaufen und das  freie „Leben“ genießen. – Doch wer DAS dann tut, der wird eine „Lücke“ hinterlassen, die eben nicht immer durch Jemand Adäquaten gleich „sofort“ gefüllt werden wird. Und diese Zeit des Vakuums wird vielleicht sogar gefüllt mit einem See aus Tränen? …

Tja, vielleicht ist DAS noch EINER der Gründe, weshalb ich als kleiner „Angestellter“ im pädagogischen Bereich, mir so schwer tue, diese „Lücke“ zu hinterlassen und mein eigenes Leben zu leben. – Dafür erhalte ich zwar nicht das große Geld, aber als Bestätigung jeden Tag aufs Neue, das eine oder andere Lächeln oder solch ein kleines „Geschenk“ der Liebe und Zuneigung, in Form von ein paar herzlichen Worten, mit pinkem Herzchen dazu! … – DAS ist es dann ja wohl wert, eine solche Lücke solange als möglich auszufüllen, oder?…  🙂

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1 Kommentar

  1. Deine Geschichte aus der Kita berührt mich sehr und die Bemerkungen kann ich nur voll unterstützen! Ich freue mich über diese wichtigen Gedanken, die viel mehr gelesen und gelebt werden sollten!

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