Es fing alles so harmlos an. Ein 4-jähriger Junge, warf – völlig grundlos(?!) – beim Spiel den gebauten Turm eines Anderen um! – Nun, eine Begebenheit, wie sie im Kindergarten schier jeden Tag vorkommt.

Ob aus Bösartigkeit, Testen von Grenzen oder weil er aus Rache handelte? Vielleicht war es ja wirklich nur eine Re-Aktion und ich hatte das Vor-Spiel gar nicht mitbekommen? Wie auch immer. Bei ihm fiel es mir als Erstes auf.

Da solche Vorkommnisse jedoch in letzter Zeit immer öfter auftreten, mache ich mir nun doch so meine Gedanken.

Gestern war es ein 4-jähriges Mädchen. Sie kratzte mich. Einfach so. Völlig grundlos. Nun, ich kratzte zurück. Zwar blieb bei ihr keine Wunde, aber ich reagierte (Reflex-artig) spontan.

Fängt es etwa auf diese Art an? – Also ich meine, diese langsam, eintretenden Alarmzeichen, eines „Walking Dead“? – Unsere Einrichtung ist ein „sozialer Brennpunkt“. Einst waren es NUR Kinder aus dem schwierigen Umfeld des Kindergartens. Inzwischen sind auch viele Flüchtlingskinder dabei. Kinder also, mit den verschiedensten Traumata, bunt gemischt mit all den (einst noch) normalen Kids.

Als Einrichtung mit einem „Sozialen Brennpunkt“, kann man daher nicht einfach so mal ein Kind, welches ANDERS agiert, als „Normale“, heraus nehmen. So klappte es früher in ähnlichen Einrichtungen, eben OHNE jenen Schwerpunkt.

Heute müssen sich Pädagogen mit ALLEN Erscheinungsbildern auseinander setzen und können KEIN Kind aufgrund seltsamer, auffälliger bzw. für die restlichen Kinder Un-zumutbarer Verhaltensweisen entfernen, sprich: eliminieren!

„KOPF AB!…“ würde die Herz-Königin einfach rufen. Aber das Wunderland für verträumte Erzieher gab es gestern. Heutzutage MUSS man sich Lösungen ausdenken, um die anderen Kinder und letztlich auch sich selbst zu schützen.

Fällt einem DA dann nichts mehr ein. Nun, dann kann man ja auch gehen und irgendeinen anderen Job machen. Ja, oder eben gar nichts mehr. Und einfach Hartz 4 beziehen, sich auf die „Faule Haut“ legen, sprich: sein Leben verschlafen und im Sommer, auf der Wiese, wenn diese doofen Erzieher alle arbeiten, mit anderen Hart(z)-Genossen, unter der Sonne zusammensitzen, Würstchen grillen und den neuen Beaujolais genießen 😉

ABER, im Moment, gilt es erst einmal diesen neuen Wander-Virus namens „Walking Dead“ einzugrenzen bzw. soweit noch möglich zu eliminieren. Also eben nicht mit der Devise: „Kopf ab!“, sondern immer wieder aufs Neue: Reden! Ein-Reden! und bei Nicht-Verstehen oder Akzeptieren des geforderten „STOP!“, die Sanduhr mit ihrer angemessenen ZEIT zum Aussitzen anbieten.

Erzieher sein, ist heutzutage, ein ewiges Hin und Her der Gefühle. Einerseits jener der anvertrauten Kids und zum Anderen der Eigenen. Es heißt: Ruhig-bleiben! Nur nicht ausflippen! Empathie, wie einen roten Teppich ausrollen. Und dabei ist es egal ob der Teppich schon abgetreten ist und ungezählte Löcher aufweist. Es gilt: das Kind ist der Star!

Egal woher es kommt, egal was es tut, egal was es sagt (verständlich oder nicht) – es ist und bleibt die Gottheit!… – Ja, es ist oft zum Heulen, wenn man selbst an der Grenze der eigenen Kapazität und Gesundheit ist. Man krank machen müsste, aber nicht krank machen DARF (weil eben schon die Kolleginnen aus diesem oder einem anderen Grund fehlen). Oder weil man auch nicht krank machen WILL – NUR um die anderen Kids nicht im Stich zu lassen!

Dann sag ich mir manchmal: „Jetzt heul doch nicht! – Einst hast Du dir genau diesen Beruf gewählt. Also halte noch die paar Jahre durch! – Möglichst ohne Burn-out, bis zur Rente!…“

Und dann komme ich trotzdem tagtäglich, und immer wieder aufs Neue an diesen Punkt, wo ich mir denke: „Damned, noch eins – Kopf ab!…“ und froh bin, wenn eine Kollegin oder die Leiterin mir zur Seite springt, und die Situation mit den passenden Worten klärt oder eben die Sanduhr holt, um meine Zeit bis hin zur Rente, gleichmäßig und (be-)ruhig(-end) abrieseln zu lassen! … 🙁

 

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